Buch-Hinweis: Mutmach-Briefe

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Unseren Arbeitsbereich betreffend sei folgendes Buch vorgestellt.
Beat Weber,
Bibliographie:
James Withey / Olivia Sagan (Herausgeber), Mutmachbriefe. Von Menschen, die ihre Depression überwunden haben (aus dem Englischen übersetzt von Marlene Grois), Stuttgart (TRIAS Verlag) 2019, Paperback, 192 S.; ca. SFr. 18.90; ISBN 978-3-432-10839-1 (auch als eBook erhältlich).

• Menschen, die Depression erlebt (und überwunden) haben schreiben an depressive Mitmenschen
• Briefe schreiben als therapeutischen Weg
• Bewegung des » „Recovery” (Wiederherstellung, Selbstermächtigung, Empowerment)

Klappentext:
Liebe Leserin, lieber Leser, ich weiß genau, wie du dich fühlst. Ich kenne das Monster, gegen das du gerade kämpfst, persönlich. Jahrelang habe ich selbst gegen die dunkle Wolke namens Depression gekämpft und kein Licht mehr am Ende des Tunnels gesehen. Der Weg daraus war lang und steinig. Aber er existiert und auch du kannst ihn finden. Verstecke deine Depression nicht, sondern hol dir die Hilfe, die du brauchst. Versuch es immer wieder, bis du den magischen Funken findest, der dich wieder zum Leben erweckt. Und denke immer daran: Nachdem es dunkel war, geht die Sonne wieder auf. Immer. Dein James
Mutmach-Briefe wie dieser, für Menschen mit Depressionen, stammen aus dem Projekt »Recovery Letters«.

Herausgeber:
» James Whitey litt selbst unter starken Depressionen. In einer psychiatrischen Klinik hatte er die Idee zu dem „Recovery Letters”, die in diesem Buch und in seinem » Blog realisiert wurde.
» Olivia Sagan, Prof. Dr. phil, leitet die "Division of Psychology, Socialogy and Education" an der Queen Margret Universität im schottischen Edinburgh und beschäftigt sich schon längere Zeit mit Briefeschreiben als Therapie.


Buchbesprechung:
In der deutschen Übersetzung werden die „Recovery Letters” mit Mutmach-Briefe übersetzt. Im ersten Vorwort gibt James Withey offen Anteil, wie es zu dieser Art des Briefe- oder Mailschreibens kam. Eine schwere Depression legte sein Leben nahezu komplett lahm und brachte ihn in Suizid-Gefahr. In einer psychiatrischen Klink keimte dann die Idee zu diesem Projekt. Das Wort eines Mitarbeiters („Ich sehe einen Mann, der zwar am Boden, aber nicht völlig zerstört ist.”) liess ein kleines Licht angehen und führte zum Gedanken und dann zur Realisierung: Menschen, die unter Depressionen leiden oder litten, schreiben inspirierende, persönliche und herzliche Briefe an alle, die an einer Depression erkrankt sind, um von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten und Mut zu machen.
Dr. Olvia Sagan sagt wie das Schreiben schon als Kind ihre Begleiterin war. Als Wissenschaftlerin bietet sie unter der Überschrift „Briefe schreiben – eine subtile Therapie” eine Einordnung des Vorgehens in die Recovery-Bewegung (Link s.o.) und in die » Narrative Expositionstherapie an. Das dritte Beiwort ist ein Nachwort aus der Feder von » G. Thomas Couser. Darin erzählt dieser kurz seine eigene Geschichte mit Briefen seines Vaters, den er als 20-jähriger aufgrund schwerer Depression verlor, die er aber erst 40 Jahre später las und was sie bei ihm auslösten (vgl. auch seine » Publikationen). Er schreibt mit Blick auf die Briefe seines Vaters zum Schluss: „Sie halten meinen Vater am Leben und in Verbindung zu mir. Ich hoffe, die Briefe in diesem Buch können ihren Lesern dabei helfen, Depressionen abzuwehren und den Wert ihres eigenen Lebens zu erkennen.”
Den Hauptteil des Buches machen die Briefe aus, über 60 an der Zahl, in der Regel zwischen einer halben Seite und zwei Seiten Umfang. Zwischen den Briefen wurden gelegentlich Zitate bzw. Merkworte eingefügt. Die Abfolge folgt keiner Systematik (jedenfalls wird keine genannt). Man kann also irgendwo beginnen, und es macht Sinn, das Lesen der Briefe zu etappieren anstatt das Buch „durchzulesen”.
Die Briefe sind eindrücklich, berührend und zeigen Nöte wie auch Wege der Gesundung. Elend und Ausweg, Gefahr und Hilfe liegen dabei oft nahe, ja ineinander. Dass Menschen andern, die ähnliches widerfahren, helfen können, ist nachvollziehbar. Das Format eines realen Autors und eines imaginierten Adressaten zeigt, dass der "therapeutische" Weg mindestens so sehr auf der Verfasser- als der Adressatenseite liegt. Titel und Untertitel bringen das denn auch zur Sprache: Mutmach-Briefe machen auch dem Mut, der sie schreibt. Ihre Adressaten kennen wir nicht; ob sie effektiv „angekommen” sind und was sie bewirkt haben, davon wird nichts gesagt. Zumindest bieten sie mit Blog und Buch Angebote des Mutmachens gegenüber depressiven Menschen. Diese erfahren, dass es vielen ähnlich ging und geht, hören, wo deren Nöte lagen, woran sie gescheitert sind und wie sie Wege fanden, das Leben zu gehen bzw. neu zu finden. Insofern ist der Band auch für Angehörige, Begleitende, Therapeuten und Seelsorger hilfreich.
Was hat den Schreibenden aus der Depression geholfen, und was kann den anonymen Adressierten helfen? Die Antworten, direkte und indirekte, sind – wie nicht anders zu erwarten – verschieden. Von Therapeuten, von neu gefundenem Selbstwert, von Entlastungen, von kleinen und grossen Schritten ist die Rede. Es ist wird aufgemuntert und appelliert. Die Bewältigungswege konzentrieren sich auf das „Humanum“, auf Empowerment; Ressourcen des Glaubens, der Religion werden kaum erwähnt (einmal ein Gebet). Zuletzt: Unglücklicherweise verwendet die Übersetzung öfters die herkömmliche Bezeichnung "Selbstmord", teils allerdings auch das Fremdwort Suizid. Selbsttötung wäre die sachgerechtere Bezeichnung. Ein Buch, dem zu wünschen ist, dass es in die „richtigen“ Hände kommt und dass es mutlosen, bedrückten und depressiven Menschen (und solchen, die diese begleiten) Mut zu machen vermag.

Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Geschäftsführer CNS/CAS
Wir freuen uns auf den ersten Beitrag.
Bereitgestellt: 19.03.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch